Borreliose beim Hund: Symptome, Diagnose und Behandlung

Die Borreliose beim Hund ist eine bakterielle Infektionserkrankung, die durch Zeckenstiche übertragen wird — Erreger ist das Bakterium Borrelia burgdorferi. Nur etwa 5 bis 10 Prozent der infizierten Hunde entwickeln überhaupt Symptome, die klassisch aus wechselnden Lahmheiten, Fieber, Appetitlosigkeit und Gelenkschwellungen bestehen. Die Diagnose ist anspruchsvoll und stützt sich auf klinisches Bild plus Antikörpertest. Behandelt wird über 4 Wochen mit Doxycyclin — mit früher Therapie ist die Prognose sehr gut. Wichtigster Schutz: konsequente Zeckenprophylaxe.

Stand: Juli 2026 · Tierärztlich geprüft und mit aktuellen Quellen recherchiert.
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Aktualisiert
Stand Juli 2026

Was ist Borreliose beim Hund?

Borreliose (auch Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit) ist eine der wichtigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten in Europa und Nordamerika. Der Erreger — das spiralförmige Bakterium Borrelia burgdorferi sensu lato — wird beim Zeckenstich vom Zeckendarm in den Hund übertragen. Diese Übertragung braucht typischerweise 16-24 Stunden Saugzeit — deshalb ist frühes Entfernen der Zecke entscheidend.

Wichtige Grundfakten:

  • In Deutschland tragen 5-35% der Zecken Borrelien in sich, je nach Region und Zeckenart
  • Nach Zeckenstich kommt es bei etwa 5-15% der Hunde zu einer nachweisbaren Infektion
  • Von den infizierten Hunden entwickeln nur etwa 5-10% klinische Symptome — die überwältigende Mehrheit bleibt symptomfrei
  • Symptome treten meist 2-5 Monate nach dem Zeckenstich auf — die Zecke kann längst vergessen sein

Zum Vergleich: Menschen entwickeln nach Borrelien-Infektion viel häufiger Symptome (in 30-40% der Fälle). Hunde sind gegenüber der Krankheit relativ resistent — das ist der Grund, warum viele infizierte Hunde nie krank werden.

Welche Zecken übertragen Borreliose?

Die wichtigsten Überträger in Deutschland und Mitteleuropa:

  • Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus) — mit Abstand häufigster Überträger. Aktiv von März bis November, in milden Wintern auch ganzjährig
  • Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) — überträgt vor allem Babesiose, aber gelegentlich auch Borrelien
  • Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) — verbreitet in Süd- und Mitteleuropa, überträgt seltener Borrelien

Nicht alle Zecken tragen Borrelien. Nur wenn eine infizierte Zecke lange genug saugt (16-24 Stunden), gelangen die Bakterien in den Wirt.

Welche Symptome zeigt ein Hund mit Borreliose?

Klassisch aber nicht immer typisch sind diese Anzeichen:

1. Wechselnde Lahmheit

Häufig das Leitsymptom. Der Hund lahmt einige Tage vorne rechts, dann wieder nicht, dann hinten links. Die Lahmheit „wandert“ von Gelenk zu Gelenk. Betroffen sind meist Sprung-, Ellbogen-, Knie- oder Schultergelenke.

2. Fieber

Erhöhte Körpertemperatur zwischen 39,5°C und 40,5°C, oft schubartig. Der Hund wirkt müde, apathisch, Appetit verringert.

3. Gelenkschwellungen

Einzelne Gelenke werden dick, warm und schmerzhaft. Die Berührung wird vermieden. Klassisches Bild einer „wandernden Polyarthritis“.

4. Muskelschmerzen und Steifigkeit

Der Hund bewegt sich zögernd, hat morgens Anlaufschwierigkeiten, mag nicht mehr springen. Berührungen am Rücken werden abgewehrt.

5. Lymphknotenschwellungen

Vor allem in der Nähe der Zeckenstich-Stelle können Lymphknoten geschwollen sein. Manchmal auch generalisiert.

6. Selten: Nierenprobleme (Lyme-Nephritis)

Eine gefährliche Komplikation — vor allem bei Golden Retrievern, Labradoren und Bernhardinern beschrieben. Symptome: viel Trinken, viel Urinieren, Erbrechen, Gewichtsverlust, Wasseransammlungen im Bauch. Prognose oft schlecht, Behandlung anspruchsvoll.

7. Sehr selten: Herzprobleme oder neurologische Symptome

Herzrhythmusstörungen, Nervenlähmungen, Verhaltensänderungen — beim Hund viel seltener als beim Menschen.

Wichtig: Die klassische „Wanderröte“ (Erythema migrans), die beim Menschen als Hinweis auf Borreliose gilt, tritt beim Hund praktisch nicht auf — sein Fell verhindert die sichtbare Ausbreitung.

Wie wird Borreliose beim Hund diagnostiziert?

Die Diagnose ist eine der anspruchsvollsten in der Tiermedizin. Ein positiver Antikörpertest allein reicht nicht — er zeigt nur an, dass der Hund irgendwann Kontakt mit Borrelien hatte. Ob er dadurch krank ist, muss klinisch interpretiert werden.

Stufe 1: Anamnese und klinische Untersuchung

Zeckenexposition, wechselnde Lahmheiten, Fieber, Gelenkschwellungen — passt das Bild zu Borreliose? Der Tierarzt untersucht alle Gelenke, tastet Lymphknoten ab, misst Temperatur.

Stufe 2: Antikörpertests

  • C6-Antikörpertest (SNAP-4Dx) — sensitiver Schnelltest in der Praxis. Positiv nach etwa 3-5 Wochen nach Infektion. Erkennt die Antikörper nach echter Infektion, nicht nach Impfung. Gilt als Standard-Screeningtest
  • Quantitativer C6-Test — misst die Antikörperkonzentration. Hohe Werte sprechen für aktive Infektion, niedrige Werte für alte Infektion oder Kontakt
  • Serum-ELISA und Western Blot — spezialisierte Antikörpertests, differenzieren zwischen verschiedenen Borrelien-Stämmen

Stufe 3: Ausschluss anderer Ursachen

Bei Lahmheit und Fieber gibt es viele Ursachen — Immunbedingte Polyarthritis, Rheuma, andere Infektionen. Blutbild, Blutchemie, Urinbefund und ggf. Röntgen und Gelenkpunktion werden ergänzt.

Stufe 4: Antibiotika-Therapie als Diagnostik

Bei starkem klinischem Verdacht plus positivem C6-Test wird oft direkt therapiert. Sprich das klinische Bild rasch auf Doxycyclin an, spricht das für aktive Borreliose. Bleibt der Zustand unverändert, waren wahrscheinlich andere Ursachen im Spiel.

Kostenrahmen: Basisdiagnostik 100-250 €, Spezialtests weitere 80-150 €, Röntgen/Gelenkpunktion falls nötig 150-400 €.

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Zu beachten: Nicht für Welpen unter 8 Wochen zugelassen — dann Flohkamm und Zeckenzange manuell.

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Wie wird Borreliose beim Hund behandelt?

Standardtherapie ist ein Antibiotikum aus der Tetracyclin-Gruppe.

Doxycyclin — die Standardtherapie

Doxycyclin ist das Mittel der ersten Wahl. Dosierung 10 mg/kg einmal täglich oder 5 mg/kg zweimal täglich, über 4 Wochen. Die Wirkung setzt meist innerhalb 48-72 Stunden ein — die Lahmheit lässt spürbar nach.

Wichtige Punkte:

  • Immer mit Futter geben, um Magenreizung zu vermeiden
  • Bei jüngeren Hunden unter 6 Monaten wird oft Amoxicillin bevorzugt (Doxycyclin kann Zahnverfärbungen verursachen)
  • Nach den ersten 48h Besserung: Therapie unbedingt weiterführen — vorzeitiges Absetzen verursacht Rückfälle mit oft resistenteren Bakterien
  • Kontrolluntersuchung nach 4 Wochen empfohlen

Alternativpräparate

  • Amoxicillin/Clavulansäure — bei Doxycyclin-Unverträglichkeit oder bei sehr jungen Hunden
  • Ceftriaxon — bei schweren Verläufen oder neurologischen Symptomen (intravenös, in der Klinik)

Symptomatische Therapie

  • Schmerzmittel (Carprofen, Meloxicam) in den ersten Tagen bei starken Schmerzen
  • Ruhe — kein Sport, keine langen Wanderungen, während der ersten Wochen
  • Gelenkschutz mit Grünlippmuschel-Präparaten* begleitend

Bei Lyme-Nephritis

Deutlich intensivere Therapie: Antibiotika über 6-8 Wochen, plus nierenschützende Medikamente, spezielle Diät, engmaschige Kontrollen. Prognose oft eingeschränkt.

Kann Borreliose beim Hund vorgebeugt werden?

Prävention ist deutlich einfacher und wirksamer als die Behandlung einer aktiven Borreliose. Vier Säulen:

1. Konsequenter Zeckenschutz

Verschiedene Wirkstoffklassen verfügbar:

  • Spot-On mit Fipronil* (Frontline und Nachahmer-Präparate) — wirken 4 Wochen, tötet Zecken bei Kontakt, verhindert Übertragung teilweise
  • Spot-On mit Permethrin (Advantix) — repellent-Wirkung, Zecke saugt gar nicht erst. Wirkt 4 Wochen. Nicht mit Katzen im Haushalt anwenden!
  • Isoxazolin-Kautabletten (Bravecto, NexGard, Simparica, Credelio) — verschreibungspflichtig, wirken 4-12 Wochen, tötet Zecken innerhalb 6-12 Stunden
  • Zeckenhalsband (Seresto und Nachahmer) — kontinuierliche Abgabe über 6-8 Monate

Welches Präparat wann? Grobe Orientierung:

  • Hund mit wenig Zeckenkontakt (Stadtwohnung, kurze Runden): Spot-On alle 4 Wochen in der Saison
  • Hund mit hohem Kontakt (Wanderungen, Felder, Wälder): Isoxazolin-Tablette monatlich plus ggf. Halsband
  • Endemiegebiete mit hoher Borreliose-Rate: Doppelschutz mit Kombination

2. Zeckenkontrolle nach jedem Spaziergang

Systematisches Absuchen — Kopf, Ohren, Achseln, Bauch, Innenschenkel, um den Anus. Zecken bevorzugen dünne Hautstellen. Werkzeug: Zeckenzange oder Zeckenkarte.

Wichtig: Zecke nur mit Werkzeug entfernen, nicht mit den Fingern. Zecke nicht mit Öl, Alkohol oder Klebstoff behandeln — das reizt sie zum Abgeben ihres infizierten Speichels.

3. Impfung

Eine Borreliose-Impfung existiert (Merilym, Nobivac Lyme). Wirksamkeit umstritten, weil sie nur gegen bestimmte Borrelien-Stämme schützt. Empfohlen wird sie:

  • In endemischen Regionen mit hoher Zeckenpopulation
  • Bei Jagdhunden mit viel Feldkontakt
  • Bei prädisponierten Rassen (Retriever, Berner Sennenhund)

Die Impfung ersetzt keinen Zeckenschutz — sie ist eine ergänzende Maßnahme.

4. Umgebung meiden

Hohe Gräser, Farne, dichte Büsche im Wald sind Zecken-Hotspots. In der Hauptsaison (Mai-Juli und September-Oktober) diese Gebiete meiden oder nur mit vollem Schutz betreten.

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Prognose bei Hunde-Borreliose

Bei früher Diagnose und adäquater Therapie ist die Prognose gut bis sehr gut:

  • Frühe Behandlung mit Doxycyclin: 80-90% klinische Vollremission innerhalb 4 Wochen
  • Chronifizierte Fälle: Verlängerte Therapie über 6-8 Wochen, Erfolgsrate 60-80%
  • Lyme-Nephritis: Prognose deutlich eingeschränkt, mediane Überlebenszeit 6-24 Monate

Rezidive sind möglich — vor allem wenn die Therapie zu kurz war oder wenn zusätzlich immunsupprimierende Faktoren vorliegen. Bei Wiederauftreten der Symptome erneute Antibiotikagabe.

Was Halter bei Borreliose-Verdacht tun sollten

Klare Handlungsschritte:

1. Zeckenexposition dokumentieren. Wann und wo hatte dein Hund Zecken? Wie viele? Wie lange saß eine Zecke? Diese Informationen helfen dem Tierarzt bei der Einordnung.

2. Bei wechselnder Lahmheit über mehrere Tage: Tierarzt. Nicht wochenlang warten und hoffen. Frühe Diagnose ist entscheidend für den Therapieerfolg.

3. Therapie konsequent zu Ende führen. Auch wenn dein Hund nach einer Woche wieder munter wirkt — Doxycyclin muss 4 Wochen genommen werden. Sonst Rezidiv.

4. Kontrolluntersuchung 4-6 Wochen nach Therapieende. Ist der Hund symptomfrei? Sind die C6-Antikörper zurückgegangen?

5. Zukünftigen Zeckenschutz optimieren. Wenn ein Hund einmal Borreliose hatte, ist die Frage: Warum ist der Schutz nicht früher gegriffen? Präparat wechseln*, Dosierung überprüfen, Zeckenkontrolle intensivieren.

Borreliose beim Hund — häufige Fragen

Kann sich mein Hund vom Menschen mit Borreliose anstecken? Nein. Borreliose wird nur über den Zeckenstich übertragen, nicht von Mensch zu Hund oder Hund zu Mensch. Die Zecke selbst allerdings kann beide anstecken.

Können Hunde nach durchgemachter Borreliose immun werden? Nein. Ein Hund kann sich wiederholt mit Borreliose infizieren. Auch nach erfolgreicher Therapie besteht kein Langzeitschutz.

Sind manche Rassen empfindlicher? Ja. Golden Retriever, Labrador Retriever, Berner Sennenhund und Bernhardiner haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Lyme-Nephritis. Diese Rassen sollten besonders konsequent Zeckenschutz und regelmäßige Kontrollen bekommen.

Was kostet die Behandlung? Reine Diagnostik plus 4 Wochen Doxycyclin: 200-500 €. Bei komplizierten Verläufen mit Röntgen, Gelenkpunktion und verlängerter Therapie: 500-1.500 €. Bei Lyme-Nephritis kann es 2.000-4.000 € über den Krankheitsverlauf werden.

Ist Doxycyclin nicht gefährlich für den Hund? In üblichen Dosen und Dauer ist Doxycyclin gut verträglich. Häufigste Nebenwirkung: Magenreizung — deshalb immer mit Futter geben. Bei sehr langer Anwendung selten Leberreizung. Kontrolle über Bluttest bei Verdacht.

Muss ich meinen Hund testen lassen, wenn er eine Zecke hatte? Nicht nach einzelner Zecke — die Übertragungswahrscheinlichkeit ist relativ gering. Test sinnvoll bei: sehr langem Saugen (>24h), Endemiegebiet, Symptomen 4-8 Wochen nach dem Stich, oder bei Rassen mit erhöhtem Nephritis-Risiko.

Kann ich alternative Therapien versuchen? Als alleinige Therapie nein. Homöopathie, Kräuter oder Kolloidales Silber sind gegen Borrelien nachweislich unwirksam. Begleitend zur schulmedizinischen Therapie kann Immunsystem-Stärkung sinnvoll sein.

Quellen

  • European Scientific Counsel Companion Animal Parasites (ESCCAP) — Leitlinie zur Bekämpfung vektorübertragener Krankheiten beim Hund, Stand 2025
  • American College of Veterinary Internal Medicine (ACVIM) — Consensus Statement on Lyme Disease in Dogs: Diagnosis, Treatment, and Prevention, Aktualisierung 2024
  • Robert Koch-Institut — Fachinformation Borreliose, Übersicht Zecken-Endemiegebiete Deutschland 2025
  • Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) — Patienteninformation Borreliose beim Hund, Stand 2024
  • Tierärztliche Hochschule Hannover — Skript vektorübertragene Erkrankungen Kleintier, 2024/25
  • Little SE et al. — „Lyme Borreliosis in Dogs and Humans: A Review of Diagnostic and Treatment Options“, Veterinary Clinics of North America — Standardreferenz
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