Wer im Meerwasseraquarium über die üblichen Clownfische und Doktorfische hinausdenken will, landet früher oder später bei den Katzenhaien. Die kleinen Haie der Familie Scyliorhinidae wirken mit ihrer gefleckten oder gestreiften Musterung fast zahm, verlangen aber ein Haltungskonzept, das deutlich über das eines Riffbeckens hinausgeht. Wer die Tiere ohne gründliche Vorbereitung anschafft, handelt nicht nur auf Kosten der Tiere, sondern riskiert auch Ärger mit dem Gesetzgeber.
Welche Arten kommen überhaupt in Frage?
Von den rund 160 bekannten Scyliorhiniden-Arten sind für die Heimhaltung in der Praxis nur wenige realistisch. Am häufigsten im deutschen Fachhandel angeboten werden der Kleine Rotfleck-Katzenhai (Scyliorhinus canicula), der Gefleckte Katzenhai (Scyliorhinus stellaris) sowie australische Arten wie Atelomycterus marmoratus, der Marmorierte Katzenhai. Letzterer bleibt mit rund 60 bis 70 Zentimetern Endlänge deutlich kompakter als Scyliorhinus stellaris, der über einen Meter erreichen kann.
Wichtig ist diese Unterscheidung schon vor dem Kauf: Die Endgröße bestimmt die notwendige Beckengröße, und die liegt in jedem Fall jenseits dessen, was viele Aquarianer als „großes Becken“ betrachten.
Beckengröße und Wasserparameter: konkrete Mindestangaben
Für den Marmorierten Katzenhai gilt ein Becken von mindestens 600 Litern als untere Grenze, besser sind 800 bis 1000 Liter. Für Scyliorhinus canicula empfehlen erfahrene Halter mindestens 1000 Liter, für S. stellaris sollten es 2000 Liter und mehr sein. Die Beckenlänge ist dabei entscheidender als das Volumen allein: Katzenhaje sind bodenbewohnende Schwimmer, die lange Strecken in einer Ebene zurücklegen. Eine Beckenlänge von mindestens 180 Zentimetern ist für kleinere Arten das absolute Minimum.
Bei den Wasserparametern gelten die üblichen Meerwasserwerte: Salzgehalt 1,022 bis 1,025 spez. Gewicht, Temperatur je nach Herkunft der Art zwischen 18 und 24 Grad Celsius, pH-Wert zwischen 8,0 und 8,3. Nitrat sollte dauerhaft unter 20 mg/l bleiben, Ammoniak und Nitrit bei null. Ein leistungsstarker Abschäumer und regelmäßige Wasserwechsel von 10 bis 15 Prozent wöchentlich sind keine Option, sondern Pflicht. Katzenhaje reagieren empfindlich auf schlechte Wasserqualität, was sich zuerst in Fressunlust und Hautproblemen zeigt.
Fütterung und Verhalten im Becken
Katzenhaje sind Raubtiere und fressen in der Natur Krebstiere, kleine Fische und Weichtiere. Im Aquarium haben sich tiefgefrorene Tintenfischstücke, Garnelen und gelegentlich Muscheln bewährt. Gefriertrockenware sollte nur als Ergänzung dienen. Gefüttert wird zwei- bis dreimal pro Woche in einer Menge, die der Hai in wenigen Minuten aufnimmt. Überernährung führt zu Verfettung der Leber, ein in der Haltung häufiges, aber vermeidbares Problem.
Mit anderen Beckenbewohnern ist Vorsicht geboten. Alles, was in den Mund passt, wird gefressen. Kleine Fische unter 10 Zentimetern sind im selben Becken auf Dauer keine gute Idee. Krebstiere verschwinden nachts, auch wenn sie tagsüber noch zu sehen waren.
Rechtslage in Deutschland: Was gilt?
Die Haltung von Katzenhaien ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt, unterliegt aber je nach Art unterschiedlichen Regelungen. Wer sich vor dem Kauf informieren möchte, findet beim Fachhändler oder in spezialisierten Quellen wie dem Informationsportal zum Katzenhai erste Hinweise zu einzelnen Arten und deren Verfügbarkeit. Entscheidend ist, ob die gewünschte Art unter die CITES-Konventionen fällt oder in den Anhängen der EU-Artenschutzverordnung (EG Nr. 338/97) gelistet ist.
Mehrere Scyliorhiniden-Arten stehen auf der IUCN-Roten Liste als gefährdet oder potenziell gefährdet. Für CITES-Anhang-II-Arten sind beim Kauf Herkunftsnachweise Pflicht. Der Händler muss nachweisen können, dass die Tiere aus legaler Nachzucht oder legaler Wildfangentnahme stammen. Kaufbelege sollten aufbewahrt werden, Kontrollen durch das Veterinäramt sind selten, aber möglich. Bei Tieren ohne Nachweis drohen Bußgelder bis zu 50.000 Euro und Einziehung der Tiere.
Nachzucht statt Wildfang: Warum das zählt
Katzenhaje gehören zu den wenigen Haiarten, die sich in gut geführten Aquarien nachgezüchtet haben. Scyliorhinus canicula legt ovipar, also in Eikapseln, ab. Die charakteristischen Mermaids Purses, wie die Eikapseln im Englischen heißen, sind an Gegenständen im Becken befestigt und entwickeln sich bei Temperaturen um 15 bis 17 Grad über mehrere Monate. Jungtiere schlüpfen mit etwa 10 Zentimetern Länge und sind von Beginn an selbstständig.
Nachzuchttiere sind nicht nur artenschutzrechtlich unkomplizierter, sie sind auch robuster als Wildfänge, die den Stress des Transports hinter sich haben. Die Nachfrage nach Nachzuchten übersteigt das Angebot im deutschen Markt deutlich, weswegen Wildfänge nach wie vor angeboten werden. Wer gezielt fragt und bereit ist, auf einen Nachzüchter zu warten, tut beiden Seiten einen Gefallen.
Häufige Fehler und was sie kosten
- Becken zu klein: Ein 300-Liter-Becken mag für den Kauf des Tieres noch ausreichen, ist aber innerhalb eines Jahres zu eng. Umzugskosten und Stress für das Tier folgen zwangsläufig.
- Falsche Mitbewohner: Korallen und empfindliche Wirbellose werden von den Haien mechanisch beschädigt, auch ohne gefressen zu werden.
- Kein Nachweis beim Kauf: Wer auf den Kaufbeleg verzichtet, kann im Ernstfall die legale Herkunft nicht belegen.
- Unterschätzter Filterbedarf: Katzenhaje produzieren erheblich mehr Ammoniak als ein vergleichbares Meerwasserbecken ohne Haie. Die Filtertechnik muss entsprechend dimensioniert sein.
- Fehlende Abdeckung: Katzenhaje springen. Ein Becken ohne sichere Abdeckung endet regelmäßig tragisch.
Wer diese Punkte ernstnimmt und bereit ist, in Technik, Platz und Zeit zu investieren, kann mit einem Katzenhai über Jahre eine faszinierende Beziehung aufbauen. Die Tiere erkennen Routinen, reagieren auf bekannte Personen und zeigen ein Verhaltensrepertoire, das weit über das vieler klassischer Meerwasserfische hinausgeht. Das macht sie besonders, verlangt aber auch besondere Verantwortung.
Gastbeitrag von Dr. Julia Berger und Thomas Krämer



