Trockenfutter für Hunde: Qualität erkennen

Ein Blick in den Zoomarkt genügt, um den Überblick zu verlieren: Hunderte Sorten Trockenfutter, jede Verpackung mit Versprechen wie „Premium“, „Natürlich“ oder „Tierärztlich empfohlen“. Diese Begriffe sind in Deutschland rechtlich nicht geschützt und sagen über die tatsächliche Zusammensetzung eines Futters herzlich wenig aus. Wer wissen will, was sein Hund wirklich frisst, muss die Zutatenliste lesen können.

Deklaration: Die Zutatenliste als wichtigstes Werkzeug

In der Europäischen Union schreibt die Verordnung (EG) Nr. 767/2009 über das Inverkehrbringen von Heimtiernahrung vor, dass Zutaten in absteigender Reihenfolge nach ihrem Gewichtsanteil vor der Verarbeitung angegeben werden müssen. Das klingt einfach, bietet Herstellern aber einen erheblichen Spielraum. Ein häufiger Trick: Zutaten derselben Kategorie werden aufgesplittet. Statt „Mais“ steht dann „Maismehl, Maisgluten, Maisstärke“ an verschiedenen Stellen der Liste. Addiert man diese Einzelpositionen, landet Mais oft auf dem ersten Platz, obwohl Fleisch vorne steht.

Konkret sollten Sie auf folgende Punkte achten:

  • Fleischanteil: Steht „Huhn“ an erster Stelle, handelt es sich um Frischfleisch mit einem Wasseranteil von 70 bis 75 Prozent. Nach der Trocknung schrumpft der tatsächliche Proteinbeitrag erheblich. „Hühnermehl“ oder „Hühnerprotein“ hingegen ist bereits getrocknet und liefert konzentriertes Protein, was bei Trockenfutter oft wertvoller ist.
  • Kryptische Sammelbezeichnungen: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ kann alles enthalten, von Lunge und Blut bis zu Federn. Qualitativ bessere Produkte nennen die Tierart und den Körperteil konkret.
  • Getreide und Kohlenhydratträger: Hunde sind in der Lage, Stärke zu verdauen, aber ein Trockenfutter, das zu mehr als 50 Prozent aus Getreide besteht, liefert wenig artgerechten Nährwert. Alternativenergieträger wie Süßkartoffel oder Erbsen sind nicht automatisch besser, kommen aber ohne Gluten aus.

Rohprotein, Rohfett, Rohasche: Was die Nährwerttabelle verrät

Pflichtangaben auf jeder Verpackung sind die sogenannten analytischen Bestandteile: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche, jeweils in Prozent. Für einen ausgewachsenen mittelgroßen Hund ohne besondere Erkrankungen gelten grobe Richtwerte: mindestens 22 bis 25 Prozent Rohprotein, 12 bis 16 Prozent Rohfett und ein Rohaschegehalt unter 8 Prozent. Ein hoher Aschegehalt über 10 Prozent weist auf viel Knochen- und Knorpelmaterial hin und kann langfristig die Nieren belasten.

Ernährungsphysiologisch interessant ist auch das Calcium-Phosphor-Verhältnis. Es sollte zwischen 1,2:1 und 1,5:1 liegen. Viele Hersteller deklarieren diesen Wert freiwillig. Wenn er fehlt und der Aschegehalt gleichzeitig hoch ist, lohnt eine Nachfrage beim Hersteller. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat in mehreren Stellungnahmen darauf hingewiesen, dass Mineralstoffimbalanzen im Heimtierfutter ein unterschätztes Gesundheitsrisiko darstellen.

Zusatzstoffe: Wann sie sinnvoll sind, wann nicht

Trockenfutter enthält fast immer Zusatzstoffe. Unterschieden wird zwischen technologischen Zusatzstoffen (Konservierungsmittel, Emulgatoren, Antioxidationsmittel), ernährungsphysiologischen Zusatzstoffen (Vitamine, Spurenelemente) und sensorischen Zusatzstoffen (Aromen, Farbstoffe). Kritisch sind vor allem synthetische Antioxidationsmittel wie BHA (E320) und BHT (E321), die in der Humanernährung als potenziell problematisch gelten. Natürliche Alternativen sind Tocopherole (Vitamin E) und Rosmarinextrakt.

Aromen in Hundefutter sind ein Zeichen dafür, dass das Fleisch von minderer Qualität ist oder der Eigengeschmack des Futters nicht ausreicht. Ein Trockenfutter, das qualitatives Fleischmehl und hochwertige Rohstoffe enthält, braucht keine künstlichen Lockstoffe.

Worauf Qualität wirklich basiert

Die Herkunft und Verarbeitungsqualität der Rohstoffe entscheidet über das Ergebnis im Napf. Beim Kauf von qualitativem Trockenfutter für Hunde lohnt es sich, gezielt nach Produkten zu suchen, die Fleischquellen namentlich benennen, auf Farbstoffe verzichten und den Herstellungsprozess offenlegen. Die Extrusionstemperatur beim Pressen der Kibbles liegt häufig über 120 Grad Celsius. Das tötet Keime ab, zerstört aber einen Teil der hitzeempfindlichen Vitamine, weshalb diese anschließend zugesetzt werden müssen. Kaltgepresste Alternativen arbeiten bei niedrigeren Temperaturen und erhalten mehr Nährstoffe, haben aber eine kürzere Haltbarkeit.

Ein weiteres Kriterium ist die Chargentransparenz. Seriöse Hersteller ermöglichen es, über einen Chargencode Rückverfolgbarkeit bis zum Rohstofflieferanten herzustellen. Wenn diese Information auf der Website fehlt und der Kundenservice keine konkrete Auskunft geben kann, ist das ein Warnsignal.

Lebensphase, Gewicht und Gesundheitszustand als Auswahlkriterium

Ein Welpe hat einen anderen Nährstoffbedarf als ein sieben Jahre alter Labrador. Das ist keine Marketing-Kategorie, sondern Physiologie. Welpen benötigen ein günstigeres Calcium-Phosphor-Verhältnis und mehr Energie pro Kilogramm Körpergewicht, während ältere Hunde von einem reduzierten Phosphorgehalt profitieren können, um die Nieren zu entlasten. Für große Rassen empfehlen Veterinärernährungsexperten zudem, den Calciumgehalt im Welpenalter bewusst niedrig zu halten, da eine Überversorgung Skelettprobleme begünstigt.

Informationen zu den offiziellen Bedarfswerten liefert die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die wissenschaftliche Gutachten zur Heimtierernährung veröffentlicht und als Referenz für Mindestanforderungen an Nährstoffgehalte dient.

Praktische Orientierung beim Kauf

Eine einfache Tabelle hilft beim Vergleich verschiedener Produkte:

Kriterium Gut Kritisch
Erste Zutat Benanntes Fleischmehl oder Frischfleisch „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“
Rohprotein 25 % und mehr Unter 18 %
Rohasche Unter 8 % Über 10 %
Konservierung Tocopherole, Rosmarinextrakt BHA, BHT, Ethoxyquin
Aromen Keine „Aromen“ ohne Spezifizierung

Trockenfutter ist bequem, haltbar und in der Regel günstiger als Nassalternativen. Es kann eine vollwertige Ernährung sicherstellen, wenn die Zusammensetzung stimmt. Dafür braucht es keine aufwendige Recherche, sondern nur die Bereitschaft, zehn Minuten die Deklaration zu lesen und ein paar konkrete Fragen zu stellen. Hunde können das nicht selbst tun.

Gastbeitrag von Dr. Julia Berger und Thomas Krämer