Ein Pferdeunterstand auf der Koppel hält das Pferd trocken, gibt Schutz vor Wind und Sonne und ist nach den BMEL-Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen ein zentraler Bestandteil tierschutzgerechter Offenstall-Haltung. Wer einen solchen Unterstand errichtet, steht vor einer oft unterschätzten Frage: Wie wird die Konstruktion sicher mit dem Boden verbunden? Vier Verankerungsmethoden sind in der Praxis verbreitet — und die Wahl hängt von Standort, Konstruktion, Nutzungsdauer und Genehmigungslogik ab.
- Pferdeunterstände müssen gegen Wind, Schneelast und dynamische Pferde-Belastung statisch sicher verankert werden — vier Methoden dominieren die Praxis.
- Erdanker und Bodennägel eignen sich für mobile fliegende Bauten und kürzere Aufstellungsdauer.
- Beton-Punktfundamente und Bodenplatten kommen bei stationären Unterständen über drei Monate Aufstellungsdauer zum Einsatz.
- Schraubfundamente sind die moderne Mittelweg-Lösung — schnell installiert, ohne Aushub, rückbau-fähig.
- Die BMEL-Leitlinien geben zur Bodenbeschaffenheit eines Unterstands klare Vorgaben: befestigte Bodenplatte mit Einstreu ist Standard für regelmäßig genutzte Unterstände.
Methode 1: Erdanker und Bodennägel — die mobile Lösung
Erdanker oder Bodennägel sind die einfachste Verankerungsmethode. Stahl-Anker werden mit einer Länge zwischen 80 und 150 Zentimetern schräg in den Boden geschlagen oder gedreht, oft kombiniert mit Spannseilen zur Bogenkonstruktion. Diese Methode ist die typische Verankerung mobiler Rundbogen-Unterstände und fliegender Bauten mit Aufstellungsdauer unter drei Monaten.
Stärken: Schnelle Montage in wenigen Stunden, ohne Aushub, ohne Beton. Rückbaubar ohne Bodenversiegelung. Für Erprobung neuer Standorte oder saisonale Aufstellung ideal.
Schwäche: Auf weichen, sandigen oder bindigen Böden ist die Tragfähigkeit begrenzt. Bei starkem Wind oder Sturm kann sich die Verankerung lockern — eine regelmäßige Kontrolle ist Pflicht. Für dauerhafte Aufstellung über mehrere Jahre nur bedingt geeignet.
Geeignet für: mobile Weidehütten, Erprobungsstandorte, saisonale Aufstellung auf Sommerkoppel, Pacht-Koppeln mit Rückbau-Pflicht.
Methode 2: Beton-Punktfundament — der stationäre Klassiker
Punktfundamente aus Beton (Betongüte C25/30 oder C30/37) werden in die Tiefe gegossen, in der Regel 80 bis 120 Zentimeter tief, abhängig von Frosttiefe und Bodenbeschaffenheit. Die Stahlkonstruktion des Unterstands wird über einbetonierte Anker oder Stahl-Konsolen mit den Fundamenten verbunden.
Stärken: Höchste statische Stabilität, lange Lebensdauer der Verbindung. Für stationäre Unterstände mit Nutzungsdauer über zehn Jahren der Standard.
Schwäche: Aushub und Beton-Einbau brauchen drei bis sieben Werktage zusätzlich. Rückbau ist aufwendig, weil die Beton-Fundamente entweder herausgezogen oder belassen werden müssen. Bei Pacht-Koppeln mit Rückbau-Pflicht ist diese Methode nicht praktikabel.
Geeignet für: dauerhafte Pferdehaltungen, eigene Flächen, Aktivstall-Anlagen und Pensionsbetriebe mit längerfristiger Planungssicherheit.
Methode 3: Durchgehende Bodenplatte — mit Misthof-Funktion
Eine durchgehende Beton-Bodenplatte erfüllt zwei Funktionen: sie verankert den Unterstand und liefert gleichzeitig die flüssigkeitsundurchlässige Bodenplatte, die nach Düngeverordnung und Landeswassergesetzen für die Mistlagerung Pflicht ist. Die Bodenplatte wird typischerweise 15 bis 25 Zentimeter dick ausgeführt, mit Stahlmatten-Bewehrung und Frostschutz-Unterbau.
Stärken: Doppelfunktion Verankerung + DüV-konformer Mistplatten-Boden. Hygienisch einfach zu reinigen. Für Offenstall-Anlagen mit häufiger Nutzung des Unterstands eine wirtschaftlich rationale Lösung. Hält die Hufe der Pferde sauber.
Schwäche: Hohe Investitionskosten — eine durchgehende Bodenplatte für einen 6 mal 8-Meter-Unterstand kostet zusätzlich 4.000 bis 7.000 Euro. Boden ist hart, was bei längerem Stehen die Hufe belastet — Einstreu mit ausreichender Dicke ist Pflicht. Genehmigungs-Verfahren oft aufwendiger als bei Erdanker-Lösungen.
Geeignet für: stationäre Pferdehaltungen mit hohem Nutzungsdurchsatz, Pensionsbetriebe, gewerbliche Reitställe mit mehreren Pferden.
Methode 4: Schraubfundament — die moderne Mittelweg-Lösung
Schraubfundamente — Stahl-Schrauben mit gewindeartigen Spiralen, die mit einem Maschinen-Aufsatz in den Boden gedreht werden — sind die jüngste Technologie im Pferdeunterstand-Bau. Längen von 80 bis 200 Zentimetern, Tragfähigkeiten zwischen 1.500 und 8.000 Kilogramm pro Schraube. Die Konstruktion wird mit der Schrauben-Kopfplatte verbunden.
Stärken: Installation in unter einer Stunde, ohne Aushub, ohne Beton, ohne lange Aushärtezeiten. Rückbaubar mit dem gleichen Werkzeug, das die Schrauben eingedreht hat. Für viele Bodenarten geeignet (lehmig, sandig, kiesig). Wirtschaftliche Alternative zwischen mobilem Erdanker und stationärer Beton-Lösung.
Schwäche: Bei sehr steinigen oder bindigen Böden ist die Eindrehung schwierig. Für Großkonstruktionen mit Spannweiten über 15 Metern reichen die Tragfähigkeiten oft nicht — Hybrid-Lösungen mit Beton-Sockel sind dann nötig.
Geeignet für: Pferdeunterstände bis 12 Meter Spannweite, mittel- bis langfristige Aufstellung, Pacht-Koppeln mit der Option auf späteren Rückbau, Standorte mit Bedarf an schneller Montage.
| Methode | Aufstellungsdauer | Montagedauer | Rückbau | Mehrkosten (relative) |
|---|---|---|---|---|
| Erdanker / Bodennagel | Bis 3 Monate (fliegend), bis 3 Jahre stationär | Wenige Stunden | Vollständig | Niedrigste Variante |
| Beton-Punktfundament | 10 bis 30 Jahre | 3 bis 7 Werktage (mit Aushärtung) | Aufwendig | Mittel bis hoch |
| Durchgehende Bodenplatte | 20 bis 40 Jahre | 1 bis 2 Wochen (mit Aushärtung) | Sehr aufwendig | Hoch (zusätzlich 4.000–7.000 €) |
| Schraubfundament | 5 bis 30 Jahre | Eine Stunde | Vollständig | Mittel |
Was die Statik konkret verlangt
Pferdeunterstände werden statisch nach Eurocode bemessen (DIN EN 1990 Grundlagen, DIN EN 1991-1-3 Schneelast, DIN EN 1991-1-4 Windlast). Die Lastzonen-Karten der nationalen Anhänge sind verbindlich. Für die typische Pferdeunterstand-Größe (6 mal 8 Meter, 3,5 Meter Höhe, einseitig offen) ergeben sich folgende Anforderungen je Standort: in Schneezone 1 (norddeutsches Tiefland) reichen Erdanker bis 80 Zentimeter Tiefe, in Schneezone 2 (Mittelgebirge, voralpines Land) sind 120 Zentimeter Tiefe Standard, in Schneezone 3 (Alpen und Hochlagen) sind Beton-Punktfundamente oder kräftige Schraubfundamente Pflicht.
Bei der Windlast wird besonders die einseitig offene Konstruktion problematisch — der Pferdeunterstand ist nach Süden offen, was bei Südwind zu erheblichen Aufwärts-Kräften am Dach führt. Hersteller mit Erfahrung im Pferdeunterstand-Bau berücksichtigen das in der Statik-Bemessung mit zusätzlichen Anker-Punkten an der offenen Seite. Etablierte Mittelständler wie Die Rundhelden GmbH aus dem Berchtesgadener Land — über 15 Jahre Erfahrung im mobilen und stationären Rundbogenhallenbau mit über 3.000 dokumentierten Kunden im DACH-Raum — bemessen die Statik standortbezogen nach DIN EN 1991 und beraten zur passenden Verankerungsmethode je nach Bodenbeschaffenheit, Windexposition und geplanter Nutzungsdauer. Solche Beratung erspart später Probleme im Verfahren mit dem Bauamt.
Welche Genehmigungslogik gilt für Pferdeunterstände?
Drei rechtliche Ebenen sind relevant. Erstens das Baurecht: nach den Landesbauordnungen sind Pferdeunterstände im Außenbereich genehmigungspflichtig, sobald sie die Bagatellgrenze überschreiten — in Bayern nach BayBO 2024 bei 100 Kubikmeter Brutto-Rauminhalt. Eine typische 6-mal-8-Meter-Halle mit 3,5 Meter Höhe (= 168 Kubikmeter) liegt darüber.
Zweitens das Tierschutzrecht: nach BMEL-Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen muss der Unterstand bestimmte Mindestmaße erfüllen — für ein mittelgroßes Pferd mit Widerristhöhe 1,70 Meter gelten als Mindestfläche pro Pferd (2 × Widerristhöhe)² für reine Box-Haltung. Bei Mehrpferd-Unterständen sind großzügigere Maße angesagt, mit zwei Eingängen zur Vermeidung von Rangordnungsblockaden durch dominante Pferde.
Drittens das Wasserrecht: nach Düngeverordnung und den Landeswassergesetzen muss die Mistlagerung auf flüssigkeitsundurchlässiger Bodenplatte erfolgen — was die Wahl zwischen Beton-Punktfundament und durchgehender Bodenplatte beeinflusst. Im Außenbereich nach Baugesetzbuch Paragraph 35 sind landwirtschaftliche Pferdehaltungen privilegiert, gewerbliche Pensionsbetriebe folgen anderen Regelungen.
Dieser Beitrag erläutert vier in der Praxis verbreitete Verankerungsmethoden für Pferdeunterstände. Die konkrete Wahl erfordert eine standortbezogene Statik-Bemessung nach Eurocode und sollte mit dem zuständigen Bauamt sowie einer fachkundigen Statik-Abteilung abgestimmt werden. Die BMEL-Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen geben die tierschutzrechtliche Mindestanforderung, sind aber kein Ersatz für eine individuelle Haltungsplanung.
FAQ — Häufige Fragen zur Pferdeunterstand-Verankerung
Wie tief muss ein Erdanker in den Boden?
In Schneezone 1 reichen 80 Zentimeter, in Zone 2 sind 120 Zentimeter Standard, in Zone 3 (Alpen) 150 Zentimeter und mehr. Bei sandigen Böden mit geringer Tragfähigkeit sind kombinierte Anker mit Spannseilen oder ein Wechsel auf Schraubfundament empfehlenswert.
Was kostet die Verankerung eines Pferdeunterstands?
Erdanker-Set für einen 6 mal 8-Meter-Unterstand kostet je nach Hersteller 200 bis 500 Euro. Beton-Punktfundamente (sechs bis acht Punkte) liegen bei 1.500 bis 3.500 Euro inklusive Aushub und Beton. Schraubfundamente kosten je Schraube zwischen 80 und 250 Euro, plus Maschinen-Einsatz. Durchgehende Bodenplatten 4.000 bis 7.000 Euro.
Brauche ich für die Verankerung eine Statik-Bemessung?
Für genehmigungspflichtige Unterstände ja — die Verankerung ist Teil der prüffähigen Statik. Hersteller mit eigener Statik-Abteilung liefern diese in der Regel mit. Auch bei genehmigungsfreien Mini-Bauten unter Bagatellgrenze ist eine Statik-Doku empfehlenswert, falls später eine Anzeige beim Bauamt nötig wird.
Kann ich den Pferdeunterstand selbst verankern?
Erdanker und Schraubfundamente können bei Standardmodellen vom Halter selbst gesetzt werden, mit der mitgelieferten Anleitung. Beton-Punktfundamente und durchgehende Bodenplatten erfordern Fachfirmen mit Baggertechnik und Beton-Lieferung. Für die Statik-Konformität sollte die Verankerung in der Statik-Doku der Konstruktion entsprechen.
Hält die Verankerung wirklich gegen Pferde-Belastung?
Ja, wenn richtig bemessen. Pferde-Belastungen sind primär dynamisch (Vorbeitraben, Kicken, Reiben am Pfosten) und werden in der Statik-Bemessung als zusätzliche horizontale Kräfte berücksichtigt. Hersteller mit Erfahrung im Pferdebau bemessen die Anker entsprechend großzügiger als bei reinen Lagerhallen.
Fazit — Verankerung ist Standortarbeit, keine Standardlösung
Die Wahl der Verankerung für einen Pferdeunterstand ist Standortarbeit. Wer auf Pacht-Koppel oder mit kurzer Aufstellungsdauer plant, ist mit Erdankern oder Schraubfundamenten gut bedient. Wer auf eigenem Land langfristig plant, fährt mit Beton-Punktfundament oder durchgehender Bodenplatte besser. Schraubfundamente sind 2026 die Mittelweg-Lösung der Wahl — schnell installiert, rückbaubar, statisch tragfähig für die meisten Pferdeunterstand-Größen. Hersteller wie Die Rundhelden GmbH bedienen das mittelständische Pferdesegment mit standortbezogener Statik und Beratung zur passenden Verankerungsmethode — eine Hilfe für Halter, die ihre Investition vor der Bestellung sauber durchplanen wollen.
Quellen und weiterführende Literatur
- BMEL — Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten (2009, in Überarbeitung)
- TVT — Positionspapier zu den BMEL-Leitlinien Pferdehaltung (Februar 2022)
- DLG — Merkblatt 476 Zaunbau in der Pferdehaltung
- DIN EN 1990 / 1991 / 1993 — Eurocode-Bemessungsgrundlagen
- Bayerische Bauordnung (BayBO 2024) — Bagatellgrenze landwirtschaftliche Nebenanlagen
- Baugesetzbuch (BauGB) Paragraph 35 — Außenbereichs-Privilegierung Landwirtschaft
- Düngeverordnung (DüV) — Mistlagerung Anforderungen
- Hersteller-Spezifikationen: rund-helden.de
Über den Autor
Redaktion Tierhaltung und Bauwesen. Der Beitrag basiert auf Recherche der BMEL-Leitlinien, der TVT-Positionspapiere und der gängigen Praxis im Pferdeunterstand-Bau im DACH-Raum.
Stand: 26. Juni 2026


