In deutschen Tierheimen leben derzeit rund 300.000 Tiere gleichzeitig. Die meisten Einrichtungen arbeiten chronisch unterfinanziert, viele kämpfen Jahr für Jahr mit Defiziten im sechsstelligen Bereich. Das Tierheim Köln etwa meldete für 2023 ein Jahresdefizit von über 900.000 Euro. Solche Zahlen zeigen, wie groß der Bedarf tatsächlich ist. Und trotzdem bleibt ein großes Potenzial ungenutzt, weil viele Menschen schlicht nicht wissen, wo und wie ihre Hilfe wirklich ankommt.
Was Tierheime tatsächlich brauchen
Der erste Gedanke beim Thema Spenden ist meist Geld. Das ist nicht falsch, aber es ist bei weitem nicht alles. Tierheime benötigen Sachspenden ebenso dringend: Hundefutter, Katzenstreu, Decken, Transportboxen, Desinfektionsmittel. Die Liste ist lang und konkret. Wer vor dem Besuch kurz auf der Website des örtlichen Tierheims schaut, findet dort fast immer einen aktuellen Wunschzettel.
Daneben fehlt es an Zeit. Ehrenamtliche übernehmen in vielen Einrichtungen Aufgaben, die sonst bezahlte Stellen erfordern würden. Hunde ausführen, Katzen sozialisieren, Kleintiere versorgen, Besucher beraten. Im Tierheim München leisteten Ehrenamtliche im Jahr 2022 nach eigenen Angaben mehr als 40.000 Stunden unbezahlte Arbeit. Ohne diesen Einsatz wäre der Betrieb schlicht nicht aufrechtzuerhalten.
Geldspenden gezielt und wirksam einsetzen
Wer Geld spenden möchte, sollte auf die Gemeinnützigkeit der Einrichtung achten. Jedes seriöse Tierheim kann eine Zuwendungsbestätigung ausstellen, die steuerlich absetzbar ist. Bereits Beträge ab 200 Euro im Jahr lassen sich beim Finanzamt geltend machen, darunter reicht sogar der einfache Kontoauszug als Nachweis.
Wichtig ist auch, ob eine Spende zweckgebunden oder frei verwendbar ist. Viele Tierheime bevorzugen freie Spenden, weil sie damit flexibel auf dringende Ausgaben reagieren können. Ein kaputtes Kühlsystem, eine unerwartete Tierarztrechnung über 3.000 Euro für einen verletzten Fundhund, ein defekter Transporter. Wer eine Zweckbindung wünscht, sollte das vorher mit der Einrichtung absprechen.
Für alle, die regelmäßig und mit vertretbarem Aufwand helfen wollen, lohnt sich ein Blick auf strukturierte Unterstützungsangebote. Über Plattformen wie Tierheime unterstützen können Privatpersonen und Unternehmen gezielt einzelne Tierheime fördern, ohne selbst den Überblick über verschiedene Spendenkonten behalten zu müssen.
Patenschaften und Dauerspenden
Eine Tierpatenschaft ist eine der wirkungsvollsten Formen der Unterstützung. Der Pate übernimmt dabei die laufenden Kosten für ein bestimmtes Tier, ohne es zu adoptieren. Das ist besonders sinnvoll für Tiere, die schwer vermittelbar sind: ältere Hunde ab zehn Jahren, Katzen mit chronischen Erkrankungen, Tiere mit Verhaltensproblemen.
Im Tierheim Stuttgart beispielsweise warten regelmäßig ältere Mischlinge über 18 Monate auf eine neue Familie. Eine Patenschaft über 30 Euro im Monat deckt in solchen Fällen einen Großteil der Futterkosten und entlastet das Budget spürbar. Manche Heime bieten auch Gruppenpatenschaften für ganze Tiergruppen an, etwa für eine Kaninchenvoliere oder eine Katzenpension.
Wer keine laufende Verpflichtung eingehen will, kann auch testamentarisch an ein Tierheim denken. Das klingt zunächst ungewöhnlich, ist in Deutschland aber eine anerkannte und zunehmend genutzte Form der Unterstützung. Der Deutsche Tierschutzbund gibt an, dass Erbschaften und Vermächtnisse einen wachsenden Anteil der Einnahmen vieler Einrichtungen ausmachen.
Ehrenamtlich aktiv werden
Ehrenamtliche Arbeit im Tierheim setzt keine Vorkenntnisse voraus. Die meisten Einrichtungen bieten eine kurze Einführung an und begleiten neue Freiwillige in den ersten Wochen. Wer regelmäßig Zeit mitbringt, auch nur zwei Stunden pro Woche, kann erheblich dazu beitragen, dass Tiere ausreichend Bewegung, Zuwendung und menschlichen Kontakt bekommen.
Neben der direkten Tierbetreuung gibt es weitere Felder:
- Öffentlichkeitsarbeit und Social-Media-Betreuung
- Fotografieren von Tieren für Vermittlungsprofile
- Transportfahrten für Tiere und Sachspenden
- Handwerkliche Arbeiten und Gebäudepflege
- Beratung von Interessenten bei der Tierwahl
Gerade die Fotografie wird oft unterschätzt. Ein gutes Bild eines Hundes kann die Vermittlungschancen deutlich verbessern. Tierheime, die professionell wirkende Fotos einsetzen, verzeichnen laut internen Auswertungen mehrerer britischer Shelters bis zu 30 Prozent schnellere Vermittlungszeiten. Auch in Deutschland gibt es diesen Zusammenhang, auch wenn belastbare nationale Studien dazu noch fehlen.
Unternehmen als Unterstützer
Nicht nur Privatpersonen können helfen. Unternehmen haben verschiedene Möglichkeiten, sich als Sponsoren zu engagieren. Manche Firmen ermöglichen ihren Mitarbeitern einen bezahlten Freiwilligentag pro Jahr. Andere stellen Sachleistungen bereit: ein Bauunternehmen repariert Zwingertore, ein Futterhersteller liefert Testmengen, eine Druckerei erstellt Flyer zum Selbstkostenpreis.
Solche Partnerschaften sind für beide Seiten sinnvoll. Das Tierheim erhält Leistungen, die es selbst nicht finanzieren könnte. Das Unternehmen stärkt sein regionales Image und kann die Zusammenarbeit kommunikativ nutzen, wenn das Tierheim zustimmt. Für eine solche Kooperation reicht oft ein informelles Gespräch mit der Heimleitung als Einstieg.
Adoption als ultimative Unterstützung
Wer die Möglichkeit hat und ernsthaft darüber nachdenkt, ein Tier aufzunehmen, sollte das Tierheim als erste Anlaufstelle betrachten. Adoption ist die direkteste Form der Hilfe: Ein Platz wird frei, das Tier bekommt ein Zuhause, und das Heim kann ein neues Tier aufnehmen, dem es sonst keinen Schutz hätte bieten können.
Viele Menschen zögern, weil sie befürchten, ein älteres oder traumatisiertes Tier aus dem Heim zu bekommen. Die Realität sieht anders aus. In deutschen Tierheimen sind gut die Hälfte der Hunde unter drei Jahre alt. Katzen jeder Altersgruppe suchen ein neues Zuhause. Und die Mitarbeiter der Einrichtungen kennen ihre Schützlinge gut genug, um eine ehrliche und passgenaue Beratung zu leisten.
Wer noch unschlüssig ist, kann zunächst ein Tier in Pflege nehmen. Pflegefamilien betreuen Tiere vorübergehend, bis eine dauerhafte Vermittlung gelingt. Das entlastet das Heim, gibt dem Tier ein ruhigeres Umfeld und hilft Interessenten, ihre eigene Situation besser einzuschätzen.
Dr. Julia Berger ist Tierärztin und schreibt regelmäßig für tierberichte.de über Tierschutzthemen. Thomas Krämer begleitet als freier Journalist seit Jahren Projekte rund um Tierheime und Adoption in Deutschland.


